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Forum 6: Wird die soziale Schere immer größer? Übergang Schule-Beruf in Zeiten von Corona

Moderation:
  • Dr. Barbara Kiepenheuer-Drechsler, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)
Inputgebende:
  • Prof. Dr. M. Tuan Nguyen, Universitätsprofessor der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) Schwerin, FG Integration in Arbeit

Jugendliche haben unterschiedliche Ausgangspositionen und Ressourcen, um den Übergang von der Schule in den Beruf erfolgreich zu meistern. Die Corona-Pandemie hat diese unterschiedlichen Startchancen jetzt wie durch ein Brennglas verschärft. Das bedeutet, die Pandemie hat zwar Auswirkungen auf junge Menschen am Übergang Schule-Beruf mit sich gebracht – sie hat aber weniger völlig neue Tatsachen geschaffen als vielmehr bestehende Situationen, wie soziale Ungleichheiten, massiv verstärkt. Die Teilnehmenden diskutierten vor dem Hintergrund des Vortrags sowohl Auswirkungen der Corona-Pandemie als auch allgemeine gesellschaftliche Voraussetzungen sowie förderliche Ansätze, um sozialen Ungleichheiten nachhaltig entgegenzuwirken und Erfolge bei der Zielgruppe zu erreichen. Dabei wurde es als wichtig herausgestellt, Zusammenhänge genauer zu analysieren, um wirkungsvolle Antworten auf bestehende Problemlagen zu finden.

Die Präsentation zur Veranstaltung können Sie im Folgenden herunterladen:

Erfahrungen/Mehrwert

  • Das Übergangssystem ist föderal geprägt, so dass Zuständigkeiten unterschiedlich und oft unklar sind.
  • „Vitamin B“ oder „soziales Kapital“ gewinnt immer mehr an Wichtigkeit in der Gesellschaft und erleichtert das Finden eines Ausbildungsplatzes; wenn familiäre Strukturen im Hintergrund unterstützend wirken, hilft dies auch den Jugendlichen – fehlen diese, kann es zu weiteren Benachteiligungen kommen.
  • In Zuwandererfamilien spielen die kulturellen Hintergründe eine wesentliche Rolle – sie haben – neben den ökonomischen Voraussetzungen oft einen entscheidenden Einfluss beim Eintritt in die Ausbildung.
  • Die duale Ausbildung wird einer außerbetrieblichen Ausbildung vorgezogen, aber: Corona hat zu einer Verknappung der Ausbildungsplätze geführt und die außerbetriebliche Ausbildung wird nicht ausreichend wertgeschätzt, könnte hier aber – nach dem Modell Österreichs - eine Lücke füllen.

Nachhaltigkeit

  • Für eine erfolgreiche Umsetzung von berufsorientierenden/-vorbereitenden Maßnahmen braucht es eine sozialpädagogische Unterstützung junger Menschen, denen eine familiäre Alltagsstruktur fehlt.
  • Eine gute Elternarbeit trägt dazu bei, dass Maßnahmen der Berufsfindung und -orientierung von dem*r Jugendlichen angenommen und erfolgreich umgesetzt werden.
  • Die Ursachen sozialer Ungleichheiten sollten frühzeitig, durch präventive Maßnahmen, bereits in der Kita bekämpft werden (z.B. durch Vermittlung von Alltagsstrukturen und Werten).
  • Eine Ausbildungsgarantie, bei der der Staat Teile der Ausbildung trägt, könnte insbesondere durch die Auswirkungen von Corona eine Chance für Jugendliche sein und zu einer gerechteren Lastenverteilung im Ausbildungssystem beitragen.
  • Ein Umdenken der Unternehmen mit Blick auf die Auswahl und Einstellung von Azubis ist notwendig.
  • Der erste Eindruck im Bewerbungsgespräch sollte nicht ausschlaggebend sei; für den Betrieb und den Jugendlichen ist es vielmehr von Vorteil und wirkt Ausbildungsabbrüchen entgegen, wenn

- mehrere Praktika vorangestellt werden

- Praktika in verschiedene Unternehmen stattfinden

- Praktika über einen längeren Zeitraum stattfinden (z.B. 2 Jahre)

- Praktika durch die Agenturen für Arbeit vermittelt werden

- (schulische) Defizite durch ergänzende Maßnahmen abgefangen werden

- Kontaktmöglichkeiten geschaffen werden und es eine individuelle Betreuung der Jugendlichen gibt.