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Begrüßungsrede von Ministerin Petra Grimm-Benne am 1. Juni 2022

Die Ministerin hieß die Teilnehmenden des RÜMSA-Fachkongresses 2022 herzlich willkommen. Es tue gut, sich nach zwei Jahren wieder live begegnen zu können, wenngleich sich in den vergangenen zwei Jahren mit Blick auf die digitale Entwicklung viel getan habe. Neue Wege hätten sich eröffnet, um sich auch digital auszutauschen und zu vernetzen.

Für die beiden Tage sei eine gute Überschrift gewählt worden: „Zukunft gemeinsam gestalten und Strukturen nachhaltig sichern.“ Denn RÜMSA habe bereits eine lange Geschichte hinter sich - nicht erst seit heute werden die Strukturen am Übergang Schule-Beruf neu aufgestellt. Die Ministerin betonte: Auch wenn dieses Förderprogramm jetzt zu Ende gehe, beginne gleichzeitig ein Neues. Daher sei es besonders wichtig, heute gemeinsam über die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen in den Regionen im Land Sachsen-Anhalt wie auch in allen anderen Bundesländern zu beraten und die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

In der gesamten Laufzeit von RÜMSA sei viel passiert: zwei Landtagswahlen, zwei Bundestagswahlen – auch mit neuer Kanzlerschaft – und ein weiteres Mal in kurzer Zeit seien Menschen in Not nach Sachsen-Anhalt gekommen, um Hilfe zu bekommen. Daher müsse man überlegen, wie man diese Menschen, die gezwungen worden seien, ihre Heimat zu verlassen, gut unterstützt. In den Behörden sei jetzt viel zu tun durch den Rechtskreiswechsel, um den ukrainischen Geflüchteten den Zugang zu Bildung und Arbeit schnell zugänglich zu machen.

Hinzu gekommen sei in der jüngeren Vergangenheit auch die Pandemie. In dieser Zeit sei es besonders wichtig gewesen, jungen Menschen zu einem Schulabschluss zu verhelfen, um eine Ausbildung zu beginnen. Daher sprach die Ministerin den Anwesenden einen großen Dank dafür aus, dass sie hieran immer gearbeitet und Wege gefunden hätten, mit den jungen Menschen und auch ihren Eltern in Kontakt zu treten, damit sie an RÜMSA partizipierten. Und wenn es heiße „Zukunft gemeinsam gestalten“ dann bedeute das auch, weiterhin gut zusammen zu arbeiten. Dazu gehöre, die Zusammenarbeit gut zu pflegen, zu stärken und weiterzuentwickeln, um die vielen anstehenden Aufgaben im Land weiterentwickeln zu können. Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung arbeite seit knapp 10 Jahren daran, das Zusammenwirken der regionalen Arbeitsmarktakteur*innen zu fördern. Was in den Arbeitsmarktprogrammen begonnen worden sei, könne mit den Geflüchteten, bei der Qualifizierung zur Vorbereitung auf den Strukturwandel oder bei der Ansiedelung von großen Wirtschaftsunternehmen vorangetrieben werden. Die Logik sei immer dieselbe. Die Expert*innen vor Ort seien sich der Situation und Bedarfe bewusst und setzten sich daher in den Gebietskörperschaften zusammen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Das Land schaffe dafür auch zukünftig die Grundlagen und den Förderrahmen. Dazu gehörten Aufgaben wie das Management der Fördermittel, die Abstimmungen und Diskussionen mit dem Bund sowie die Schaffung einer Übersicht aller Aktivitäten im Land. Vor dem Hintergrund der sichtbaren Erfolge werde diese regionalisierte Arbeitsmarktpolitik in der ESF-Förderperiode 2020 bis 2027 fortgesetzt. Auch in der aktuellen Koalitionsvereinbarung hätten RÜMSA und die neue Richtlinie REGIO AKTIV einen festen Platz gefunden. Wichtig sei dabei auch, dass die Zielgruppen- und Beschäftigtenförderung und der Übergang in Ausbildung zusammengeführt wurden.

„Zukunft gemeinsam gestalten“ sei nicht abstrakt gemeint: in RÜMSA gehe es um die jungen Menschen, die kurz vor oder direkt an der ersten Schwelle von der Schule in die Ausbildung stünden. Hier habe sich enorm viel getan – gerade auch im Land Sachsen-Anhalt: den Jugendlichen hätte zu Beginn von RÜMSA jeweils nicht ganz ein Ausbildungsplatz gegenübergestanden. Heute gäbe es Landkreise oder kreisfreie Städte, in denen das Verhältnis bei 1 zu 1,5 liege und teilweise sogar auch darüber. Für die Jugendlichen sei das gut, für die Betriebe mindestens eine Herausforderung, da sie zusätzlich noch im Wettbewerb mit anderen Betrieben stünden.

Das Fachkräftepotenzial sei grundsätzlich ein ausschlaggebender Faktor für die Ansiedlung von Betrieben. Und aktuell liefen Frankreich und Großbritannien Deutschland dabei den Rang ab. Ein Erfolg verbunden mit neuen Aufgaben sei es, dass sich der Chiphersteller Intel nun in Sachsen-Anhalt angesiedelt habe. Damit verbunden würden weitere Unternehmen folgen. Auch im Süden müsse dem Strukturwandel begegnet werden, indem Fachkräfte ausgebildet und gehalten werden. Daher sei es umso wichtiger, dass alle Akteure – die Arbeitsagenturen, die Jobcenter, die Kommunen und die Schulen – zusammenarbeiteten, um jungen Menschen Wege zu erleichtern und ihnen Perspektiven vor Ort aufzuzeigen. Ganz praktisch geschehe dies in den Jugendberufsagenturen. Lange sei daran gearbeitet worden und nun sei es schon eine Selbstverständlichkeit, dass es sie gebe und dass Jugendliche dort nun quasi „Hilfe wie aus einer Hand“ bekämen. Was sich einfach anhöre, sei in Wirklichkeit recht schwierig. Eine lebendige Kooperation könne man nicht verordnen, sie müsse sich entwickeln – und das über die jeweiligen Zuständigkeiten von Rechtskreisen hinaus. Das sei auch weitestgehend gelungen, so dass nun auf dem Kongress die Erfahrungen und die Erfolge im Mittelpunkt stünden.

Die Ministerin betonte, dass sie sich sehr darüber freue, dass der überregionale Austausch über verschiedene Themen im Zentrum des Fachkongresses stehe.

Bei dem Thema „Zusammen“ betonte die Ministerin drei Punkte, die ihr sehr wichtig seien:

1.     Zusammenhalt – vor allem, wenn die Fliehkräfte groß seien, dann sei das WIR wichtig! Dieser Zusammenhalt werde für die zukünftige Gestaltung des Ausbildung- und Arbeitsmarktes gebraucht.

2.     Die enge Zusammenarbeit mit der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen sowohl in RÜMSA als auch in BRAFO seien wichtig und zielführend. Das habe sich bei Themen Weiterbildung, Strukturwandel, bei der Inklusion und vielen weiteren Bereichen gezeigt.

3.     Es müsse dringend gelingen, die Abgeordneten mit einzubeziehen. Es sei wichtig, Gutes zu tun und darüber auch zu reden!

Am Beispiel machte Frau Grimm-Benne deutlich, dass RÜMSA und das, was tatsächlich im Land für junge Menschen, ihre beruflichen Perspektiven und den Arbeits- und Ausbildungsmarkt getan werde, auch auf der politischen Ebene noch nicht ausreichend bekannt sei. Es sei in Sachsen-Anhalt viel erreicht worden, wie u. a. die Verzahnung von BRAFO und RÜMSA; diese Arbeit müsse wertgeschätzt werden. Es lohne sich, über das Erreichte zu reden, denn Erfolge seien klar vorzuweisen. Es werde jedoch zu wenig darüber berichtet. Auch mit dem Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie und der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit habe sie sich ausgetauscht und noch einmal herausgestellt, wie weit und wie gut man in beiden Bundesländern bereits aufgestellt sei. Künftig wolle sie sich im Haus stärker darum bemühen, dass entsprechende Themen und Veranstaltungen auch bei allen Abgeordneten bekannt werden. Es sei zudem wesentlich, dass alle Jugendlichen und ihre Eltern die Angebote kennen.

Die Ministerin schloss mit guten Wünschen für die Tagung und dem ernsten Appell an uns alle:

Tue Gutes und rede darüber!